Für *Vorlesungsverweigerer

Überfüllte Hörsäle, ade!

24. September 2011
Von Ruben Karschnick

Ruben aus Hamburg ist Chefredakteur von TONIC

Texte von Ruben
autor@tonic-magazin.de

Ruben Karschnick

Im Kampf gegen brechend volle Veranstaltungen wissen sich Rubens Profs zu helfen: Mit kryptischen Kursbeschreibungen, endlosen Literaturlisten und ganzen Katalogen pädagogischer Maßnahmen verschrecken sie gezielt potentielle Teilnehmer.

Viele Studenten, wenig Platz. Mein Uni-Alltag. Regelmäßig kauere ich auf den Treppenstufen des überfüllten Hörsaals, den Notizblock auf den Oberschenkeln, den Kommilitonen im Rücken.

Doch inzwischen wissen sich meine Profs zu helfen, um überfüllten Räumen, Betreuungsnotstand und Korrekturmarathons zu entkommen. Ich präsentiere: Die Top Drei der Studenten-Verschreckungstaktiken.

Taktik eins: Profs formulieren die Beschreibungen ihrer Veranstaltungen so verschwurbelt, dass auch der interessierteste Student einen weiten Bogen drum macht. Das klingt dann so: "Ziel des Seminars ist es, urteilstheoretisch relevante Argumentationsfiguren zu eruieren. Es werden methodische Fragen sowie hermeneutische und ideengeschichtliche Überlegungen besonders berücksichtigt, um systematische und normativ-praktische Fragestellungen zu erkennen."

Taktik zwei: Profs empfehlen "zur vorbereitenden Lektüre" mindestens zehn Bücher. Nicht irgendwelche – versteht sich. Nur schwer klingende Kost wie "Arendt, Hannah (1988): Das Urteilen.Texte zu Kants politischer Philosophie." oder "Vollrath, Ernst (1977): Die Rekonstruktion der politischen Urteilskraft." Sind einige der Werke noch auf Englisch, erzielt die Taktik ihre maximale Wirkung.

Taktik drei: Profs kündigen "zur Sicherung des Lernfortschritts" einen ganzen Katalog pädagogischer Maßnahmen an: Anwesenheitslisten, Kurzreferate, Textanalysen, Protokolle und bitte schön regelmäßig Wortbeiträge. Kurz: Mache ich das Seminar nicht zu meinem Lebensmittelpunkt, fliege ich raus.

Was bleibt uns Studenten, die wir nicht nur einen Haufen Veranstaltungen pro Woche haben, sondern danach noch arbeiten gehen – und am Ende ein Privatleben führen? Locker bleiben. Uns in die Lage der Profs versetzen. Von Abschreckungsversuchen nicht beeindrucken lassen. Bislang steckte noch in jedem Prof ein Mensch.

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